Studie zur digitalen Souveränität: IT-Führungskräfte in der EU wenden sich von den US-Big-Tech-Unternehmen ab

Es reicht nicht aus, es einfach nur „Sovereign Cloud“ zu nennen – Unternehmen lassen ihren Worten nun Taten folgen, da die unhinterfragte Abhängigkeit von den Big-Tech-Unternehmen nachlässt.

IT leaders increasingly choose European tech to achieve digital sovereignty and in 2026, 87.5 percent of the IT decision-makers in Germany are in favor of giving preference to European digital products in critical infrastructure.

Die Zukunft sieht rosig aus – zumindest wenn man sich die Ergebnisse der aktuellen Studie „State on Digital Sovereignty 2026“ ansieht: IT-Entscheidungsträger in Europa entscheiden sich zunehmend für europäische Alternativen und folgen damit einem Trend, der – überraschenderweise – von Microsoft selbst, einem der weltweit größten amerikanischen IT-Akteure, ausgelöst wurde.


Bevor wir uns jedoch die Studienergebnisse ansehen, sollten wir einen Schritt zurücktreten und uns daran erinnern, was im Jahr 2025 tatsächlich geschah: Microsoft löste den Trend zur digitalen Souveränität in Europa aus, indem es das Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) mit Sitz in Den Haag, Niederlande, sperrte – und zwar ausschließlich aufgrund einer Anordnung des US-Präsidenten Trump.

Dieser Vorfall war für alle ein Weckruf, dass die europäische IT-Infrastruktur nicht von ausländischer Technologie abhängig sein darf – von Technologie, die dem Willen politischer Führer unterliegt, über die Europa keine Kontrolle hat.

Ergebnisse der Studie zur digitalen Souveränität

Diese geopolitischen Risiken haben endlich ein Bewusstsein bei allen geschaffen, die im IT-Bereich tätig sind. Die Studie„State of Digital Sovereignty 2026“ befragte 1.818 IT-Entscheidungsträger in Deutschland, Frankreich und den nordischen Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland.

Ergebnisse in Deutschland

In 2026, 40% of German IT leaders are actively implementing European software. In 2026, 40% of German IT leaders are actively implementing European software.

In 2025, 20% of German IT leaders were actively implementing European software, in 2026 this has risen to 40%, which is a 50% increase. In 2025, 20% of German IT leaders were actively implementing European software, in 2026 this has risen to 40%, which is a 50% increase.

In Deutschland ist ein deutlicher Trend zur Nutzung europäischer Software zu erkennen.

Die Studie berichtet, dass 87,5 Prozent der IT-Entscheidungsträger in Deutschland dafür sind, europäischen digitalen Produkten in kritischen Infrastrukturen den Vorzug zu geben, und 39,7 Prozent der deutschen IT-Führungskräfte setzen derzeit aktiv europäische Software ein. Das ist fast doppelt so viel wie im Jahr 2025, als 20,4 Prozent der IT-Entscheidungsträger angaben, aktiv EU-Technologie einzusetzen. Weitere 20,4 Prozent der Unternehmen planen, europäische Software innerhalb der nächsten sechs Monate einzuführen.

Interessanterweise zeigen sich IT-Führungskräfte in Deutschland zunehmend offen für europäische Alternativen und suchen aktiv nach diesen. Im Jahr 2025 gaben 47,7 Prozent der deutschen IT-Entscheidungsträger an, dass sie KEINE europäische Software einführen wollten. Im Jahr 2026 sagt dies nur noch ein Zehntel – 4,6 Prozent.

Wähle digitale Souveränität

Ergebnisse in Frankreich und den nordischen Ländern

Die Antworten in Frankreich – einem Land, in dem die Regierung selbst bereits prüft, Windows durch Linux zu ersetzen – und in den nordischen Ländern sind sehr ähnlich: In Frankreich sind 38,5 Prozent der Befragten dabei, europäische Softwarelösungen einzuführen, während in den nordischen Ländern 35,5 Prozent der Befragten dasselbe angaben.

Neue Risikoeinschätzung

Die Ergebnisse der Studie zur digitalen Souveränität zeigen deutlich, dass die instabile geopolitische Lage der letzten Jahre die Art und Weise beeinflusst hat, wie viele Unternehmen Risiken einschätzen und wie sie versuchen, souveräner und unabhängiger von US-amerikanischer Technologie zu werden. In der oben genannten Studie geben 51,5 Prozent in Deutschland, 50 Prozent in Frankreich und 48,9 Prozent in den nordischen Ländern an, dass „geopolitische Ereignisse ihren Fokus auf die eigene Souveränität verstärkt haben“.

Zudem ist den Europäern heute viel besser bewusst, dass sie bei der Wahl amerikanischer Softwareanbieter nicht wirklich Eigentümer ihrer Daten sind. Erstens nutzen und missbrauchen viele amerikanische Tech-Unternehmen die Daten ihrer Nutzer – nicht zuletzt für das Training von KI. Werden die Daten ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf den Servern eines anderen Unternehmens gespeichert, gehören sie schlichtweg nicht mehr dem Unternehmen, da auch andere Zugriff darauf haben. Zweitens wurde in den letzten Monaten vermehrt über den Cloud Act diskutiert: Dieses US-Gesetz ermöglicht es amerikanischen Behörden, Zugriff auf alle von amerikanischen Unternehmen gespeicherten Daten zu verlangen – unabhängig davon, ob diese auf Servern in den USA oder in Europa liegen.

Daher erkennen europäische Unternehmen zunehmend, dass es sich, wenn ein US-Unternehmen von seinen „souveränen Cloud-Angeboten“ spricht – und Google, Amazon und Microsoft tun dies häufig –, in Wirklichkeit lediglich um „Sovereign Washing“ handelt.

Infolgedessen ergab die Studie zur digitalen Souveränität, dass 32,4 Prozent der IT-Entscheidungsträger in Deutschland planen, von ausländischen Anbietern zu wechseln, während 16,4 Prozent dies bereits getan haben.

Wem gehören Ihre Daten?

Es geht nicht mehr nur um den Serverstandort oder den Anbieter – digitale Souveränität ist viel mehr als das: Es geht darum, wem Ihre Daten gehören und wer die Kontrolle über Ihre digitalen Systeme hat.

So ist mittlerweile allen klar, dass kritische Systeme am wichtigsten sind und so schnell wie möglich digital souverän werden müssen: Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. In diesen Bereichen kommen sensible Daten, geschäftskritische Anwendungen und zentrale Infrastruktur zusammen, weshalb die Erlangung von Souveränität hier dringender ist als in anderen Sektoren.

Eine souveräne Zukunft?

Die Studie zur digitalen Souveränität ergab ferner, dass zwischen 94 und 95 Prozent der Befragten in Deutschland, Frankreich und den nordischen Ländern der Meinung sind, dass europäische Unternehmen in der Lage sind, wettbewerbsfähige digitale Produkte selbst zu entwickeln.

Die Studie analysierte zudem, wie IT-Entscheidungsträger die Zukunft einschätzen: In den nordischen Ländern halten 49,5 Prozent eine weitgehende digitale Unabhängigkeit für Europa für realistisch, während dies in Deutschland nur 39,6 Prozent und in Frankreich lediglich 33,7 Prozent angeben.

Wähle digitale Souveränität

Hindernisse bei der Umsetzung

Doch obwohl viele IT-Experten eher optimistisch sind, braucht Veränderung Zeit, und wir sind definitiv noch nicht dort, wo wir gerne wären. In der Studie waren „hohe Migrationskosten“ in allen Regionen das größte Hindernis; dies gaben 39,7 Prozent in den nordischen Ländern, 34,7 Prozent in Frankreich und 33,5 Prozent in Deutschland an. In den nordischen Ländern war das Problem eines mangelnden Überblicks über europäische Alternativen mit 42 Prozent sogar noch ausgeprägter.

Die hohen Migrationskosten werden im öffentlichen Sektor durch Rahmenverträge mit Microsoft noch verstärkt. So hat beispielsweise die deutsche Bundesregierung diese Rahmenverträge mit Microsoft für alle Kommunen abgeschlossen, während es keine vergleichbare Vereinbarung mit europäischen Open-Source-Lösungen gibt. Deshalb fordern wir bei Tuta Rahmenverträge für europäische Alternativen.

Noch schlimmer ist, dass viele europäische Lösungen außerhalb ihrer jeweiligen Märkte unbekannt bleiben und es nicht auf die Auswahllisten großer Unternehmen und öffentlicher Auftraggeber schaffen. Deshalb müssen politische Entscheidungsträger nicht nur Rahmenvereinbarungen mit diesen europäischen Lösungsanbietern schließen, sondern auch dazu beitragen, diese Unternehmen bekannter zu machen – zum Beispiel, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen und schon jetzt mit der Planung der Umstellung beginnen!

Fazit

Die Studie „State of Digital Sovereignty 2026“ zeigt, dass Entscheidungen für IT-Anbieter zunehmend von digitaler Souveränität beeinflusst werden. Geopolitische Risiken werden nicht mehr ignoriert, sondern beeinflussen Kaufentscheidungen maßgeblich. Dies ist eine enorme Wachstumschance für den europäischen Technologiesektor, und die Politik kann diesen Prozess direkt beeinflussen, indem sie jetzt die richtigen Entscheidungen trifft.

Und die Politiker werden sich ihrer Verantwortung bewusst, den Wandel anzuführen: Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kommission für digitale Souveränität, betonte bei der Vorstellung der Studie: „Unsere Daten sind das Gold der Gegenwart und der Zukunft. Insbesondere der Bundestag verfügt über den größten Datenschatz im ganzen Land. Wenn der Bundestag in Sachen digitaler Souveränität mit gutem Beispiel vorangehen will, muss er den Mut haben, stärker auf deutsche und europäische Lösungen zu setzen.“

Illustration eines Telefons mit Tuta-Logo auf dem Bildschirm, daneben ein vergrößertes Schild mit einem Häkchen, das die hohe Sicherheit der Tuta-Verschlüsselung symbolisiert.