Die EU hat die Chance, die „Big Tech“-Plattformen dazu zu zwingen, sich korrekt zu verhalten – und jetzt ist es an der Zeit zu handeln!

Am 16. September wird Ursula von der Leyen vor dem Europäischen Parlament ihre jährliche Rede zur Lage der Union halten. Dies ist ihre historische Chance, zu handeln und die „Big Tech“-Plattformen zu positiven Veränderungen zu bewegen. Im Interesse der europäischen Demokratie. Erfahren Sie mehr in diesem Blogbeitrag!

The EU has the chance to force Big Tech platforms to be good - and the time to act is NOW!

Unzählige Studien und Wissenschaftler haben es im Laufe der Zeit bewiesen: Big Tech – so wie es derzeit aufgebaut ist – stellt aufgrund seiner süchtig machenden Funktionen nicht nur eine Gefahr für seine Nutzer dar, sondern auch für die Demokratie. Denn Big-Tech-Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und X beeinflussen mit ihren algorithmengesteuerten Feeds, was wir sehen, was wir fühlen, was wir denken und – was noch besorgniserregender ist – wen wir wählen. Daher ist es an der Zeit, Big Tech nicht mehr nur mit einer Geldstrafe nach der anderen zu belegen, sondern sie endlich dazu zu bringen, sich zum Besseren zu wandeln – und zwar für immer! Diese Veränderung wird es uns als Bürger einer Demokratie ermöglichen, eine faire und freie Chance zu haben, uns eine eigene Meinung zu bilden – ohne von den Algorithmen der Big-Tech-Unternehmen beeinflusst zu werden.


Die Lage der Union 2026

Die Rede zur Lage der Union (SOTEU) ist eine jährliche Ansprache von Ursula von der Leyen, der derzeitigen Präsidentin der Europäischen Kommission, vor dem Europäischen Parlament. In ihrer Rede wird von der Leyen ihre Vision und die wichtigsten Projekte der Europäischen Union für das kommende Jahr vorstellen. Darüber hinaus wird ihre Rede indirekt deutlich machen, wo ihre Prioritäten für das kommende Jahr liegen.

Mit anderen Worten: Dies ist ihre einmalige Chance, den Kampf gegen die „Big Tech“-Konzerne endlich auf ihre Agenda zu setzen.

Eine Chance, die schon längst genutzt werden hätte müssen. Denn wenn wir zulassen, dass „Big Tech“ so weitermacht wie bisher, könnte die Zukunft ziemlich düster und dystopisch aussehen.

Big Tech dominiert unsere digitale Kommunikation

Daran besteht kein Zweifel: „Big Tech“ dominiert unsere digitale Kommunikation. Für die meisten von uns ist ein Leben ohne Instagram (um unsere Urlaubsfotos zu teilen), WhatsApp (um mit unseren Lieben in Kontakt zu bleiben) oder TikTok (um sich mit lustigen Videos die Zeit zu vertreiben) unvorstellbar.

Was wir vielleicht ohnehin schon wussten, hat der EU Social Media Monitor nun schwarz auf weiß festgehalten: Big Tech erreicht jeden innerhalb der Europäischen Union und scheint zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Alltags geworden zu sein. In Zahlen ausgedrückt: Allein YouTube erreicht jeden Monat mehr als 460 Millionen Menschen in der EU und Instagram fast 300 Millionen Menschen. Mit anderen Worten: Big Tech hat eine enorme Reichweite, und mit dieser Reichweite geht enorme Macht einher.

Hat uns nicht auch ein berühmter Superheld daran erinnert, dass mit großer Macht große Verantwortung einhergeht?

Eine Verantwortung, die die „Big Tech“-Plattformen gegenüber ihren Nutzern offenbar gerne vergessen.

In diesem Zusammenhang: Das Geschäftsmodell von Big Tech basiert darauf, so viele Daten wie möglich von seinen Nutzern zu sammeln – um den eigenen Gewinn zu maximieren.

Von traditionellen Nachrichtenmedien zu sozialen Medien

Die Verantwortung, die Big-Tech-Plattformen tragen, hat in den letzten Jahren nur noch zugenommen und wird höchstwahrscheinlich weiter zunehmen. Denn wie der [„Digital News Report 2026“ des Reuters Institute](https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/sites/default/files/2026-06/DNR 2026 FINAL_2.pdf) bestätigt, verlagert sich der Nachrichtenkonsum zugunsten von Videoplatformen, sozialen Medien und in jüngster Zeit auch KI. Vor allem bei den jüngeren Generationen werden soziale Medien und Videoplatformen als primäre Quellen für den Nachrichtenkonsum gegenüber dem Fernsehen oder Nachrichten-Websites bevorzugt. Dies liegt daran, dass die Menschen es vorziehen, Nachrichten anzusehen, anstatt sie zu lesen, da dies wesentlich bequemer ist.

Infolgedessen nimmt die Nutzung traditioneller Nachrichtenquellen wie Fernsehen, Radio oder Zeitungen weiter ab. Das Jahr 2026 stellt dabei einen bedeutenden Meilenstein dar, da Videoplatformen und soziale Medien weltweit erstmals die am häufigsten genutzte Nachrichtenquelle sind. Daraus lässt sich Folgendes ableiten: Die Menschen beziehen ihre Nachrichten und bilden sich ihre Meinungen nicht mehr über Zeitungen oder Fernsehen, sondern über soziale Medien. Und diese sozialen Medien sind nicht neutral.

Big Tech beeinflusst, wen wir wählen

Wie bereits erwähnt, beeinflussen Big-Tech-Plattformen – insbesondere die Social-Media-Plattformen Instagram, Facebook, TikTok und X sowie deren algorithmisch gesteuerte Feeds – unser Verhalten. Sie bestimmen unsere Aufmerksamkeit: Was wir sehen, was wir denken und letztendlich, wen wir wählen. So dystopisch und beängstigend das auch klingen mag, ist es leider bereits Realität geworden. Mehrere Studien haben belegt, dass Meta, TikTok und X einen erheblichen Einfluss auf unsere Wahlen haben. Wahlen, die eigentlich frei und fair sein sollten.

So hat beispielsweise eine Studie nachgewiesen, dass der Standard-Feed von X mehr rechtsextreme Inhalte zeigte als von allen anderen politischen Parteien. Zudem gehört der Eigentümer der Plattform, Elon Musk, zu den Nutzern, die im X-Feed am häufigsten auftauchen. Ein Zufall?

The study “Political Biases on X before the 2025 German Federal Election” shows clearly how the For You feed on X is dominated by the AfD – a far-right party that is openly favorited by X-owner Elon Musk. The study “Political Biases on X before the 2025 German Federal Election” shows clearly how the For You feed on X is dominated by the AfD – a far-right party that is openly favorited by X-owner Elon Musk.

Die Studie „Political Biases on X before the 2025 German Federal Election“ zeigt deutlich, wie der „For You“-Feed auf X von der AfD dominiert wird – einer rechtsextremen Partei, die vom X-Eigentümer Elon Musk offen bevorzugt wird.

Die Studie„Politische Voreingenommenheit auf X vor der Bundestagswahl 2025“ist nicht das einzige Beispiel. Zahlreiche Studien haben gezeigt, wie Big-Tech-Plattformen extremistische Stimmen begünstigen und es extremistischen Parteien so ermöglichen, Stimmen zu gewinnen, die sie sonst möglicherweise nicht erhalten hätten. Angesichts dieser Daten kann man nicht ernsthaft behaupten, dass die Algorithmen der Big Tech-Unternehmen die Entscheidung der Wähler nicht beeinflussen, wie beispielsweise letzte Woche in Sachsen-Anhalt.

Und Big-Tech-Eigentümer wie Elon Musk machen aus ihren Absichten nicht einmal einen Hehl. Nachdem die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewonnen hatte, gratulierte Musk ihr offen auf X: Musk to Alice Weidel on X: “Gut gemacht!” Musk to Alice Weidel on X: “Gut gemacht!”

Musk an Alice Weidel auf X: „Gut gemacht!“

Der Einfluss der sozialen Medien hat also schwerwiegende und messbare Folgen für unser reales Leben.

Denn wenn uns in den sozialen Medien – dem Medium, das wir zunehmend zur Nachrichtenrezeption nutzen – voreingenommene Inhalte präsentiert werden und diese Nachrichten als repräsentativ dargestellt werden, kann dies irreführend sein und den öffentlichen Diskurs beeinflussen – und letztendlich, was am wichtigsten ist, auch darüber entscheiden, wem wir bei der nächsten Wahl unsere Stimme geben.

Handeln Sie jetzt!

Deshalb fordert die gemeinnützige Organisation „Save Social“ Ursula von der Leyen als Präsidentin der Europäischen Kommission auf, jetzt zu handeln, um soziale Medien für alle sicher und nicht süchtig machend zu gestalten. Nicht nur für Kinder und Jugendliche. Dies ist eine einmalige Chance, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Indem wir soziale Medien für alle sicher machen, können wir auch endlich die zähe Diskussion über die Altersüberprüfung beenden – ein Vorhaben, das ebenso nutzlos wie unbeliebt ist.

Es ist endlich an der Zeit, die „Big Tech“-Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen.

Denn wenn die Europäische Union sie nicht zur Rechenschaft zieht, könnten die Folgen katastrophal sein. Nicht nur für uns als Nutzer, sondern auch für uns als Bürger in einer Demokratie.

Auch Deutschland muss handeln

Vom 16. bis zum 18. September haben auch die Bundesländer die Gelegenheit, Big Tech zum Besseren zu verändern, wenn sich die Leiter der Landeskanzleien treffen. Unter anderem stehen die Medienpolitik sowie die Verhandlungen über den Staatsvertrag über digitale Medien auf der Tagesordnung. Eine einmalige Gelegenheit, Big Tech zur Rechenschaft zu ziehen – zumindest in Deutschland.

Schlusswort

In einer Zeit, in der soziale Medien und Videoplattformen zunehmend traditionelle Nachrichtenmedien ersetzen, darf die Verantwortung nicht in den Händen einiger weniger, sehr mächtiger CEOs von Big-Tech-Unternehmen liegen.

Soziale Medien als Instrumente unserer digitalen Kommunikation tragen die Verantwortung, eine freie und faire Meinungsbildung zu ermöglichen, damit unsere Demokratie weiterhin bestehen kann.

Ursula, jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Um der Demokratie willen.

Illustration eines Telefons mit Tuta-Logo auf dem Bildschirm, daneben ein vergrößertes Schild mit einem Häkchen, das die hohe Sicherheit der Tuta-Verschlüsselung symbolisiert.